Erhöhte Fluglärm-Belastung von Lichterfelde, Lankwitz und Zehlendorf durch Nordumfliegung von Blankenfelde-Mahlow

Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat gegen die vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) am 26.1.2012 festgesetzten Flugrouten für Westabflüge von der Nordbahn des BER (Geradeausflüge über die Ortsmitte der Gemeinde) geklagt. Am 19.09.2013 hat das Oberverwaltungsgericht Berlin Brandenburg (OLG) der Klage teilweise stattgegeben.

Im Ergebnis wurden die Geradeaus-Flüge über Blankenfelde-Mahlow in der Nacht für ungesetzlich erklärt. Die gem. einem Lärmgutachten des BAF derzeit favorisierte Nordumfliegung von Blankenfelde-Mahlow in der Nacht führt – bedingt durch Einzelfreigaben – zu einer erhöhten Fluglärm-Belastung in Lichterfelde, Lankwitz und Zehlendorf sowie in den Brandenburger Gemeinden Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf.

Urteil des OLG Berlin-Brandenburg zur Flugroute für Westabflüge von der Nordbahn des BER

Das Gericht stellt in seinem Urteil fest, dass tagsüber (6:00 – 22.00 Uhr) die bereits festgesetzte Abflugroute (s. Abb.1) rechtmäßig ist und dass das BAF seinen Abwägungsspielraum bei der Festlegung dieser Route nicht überschritten hat. Dagegen hat das OVG aufgrund eines vom BAF eingeholten Lärmgutachtens (siehe „Lärmfachliche Bewertung für den Flughafen Berlin Brandenburg (EDDB): Vergleich von alternativen Abflugrouten der Startbahn 25R“ , DFS, 22.8.2013) die Geradeausflüge über die Ortsmitte von Blankenfelde-Mahlow während der Nacht (22:00 – 6:00 Uhr) für ungesetzlich erklärt.

Fluglärm BBI / BER - Abflugrouten am Tag und in der Nacht

Das Lärmgutachten hatte ergeben, dass nachts bei der Nordumfliegung von Blankenfelde-Mahlow (s. Abb. 2) gegenüber den Geradeausflügen ca. 2.870 Personen weniger im Pegelband L (Aeq Nacht) = 50 – 62 dB (A) belastet und ca. 1.550 Personen weniger durch Einzelereignisse von mindestens L (A.max) = 6 x 53 dB (A) belastet werden, allerdings erhöht sich durch die Nordumfliegung die Zahl der zumutbar belasteten Personen.

Die Abb. 3 zeigt die Tagesschutzzonen I und II , wobei für Weststarts von der Nordbahn die Geradeausflüge über die Ortsmitte der Gemeinde zugrunde gelegt wurden. In Abb.4 sind Nachtschutzzonen zu sehen, wobei die violett schraffierte Fläche sich ergibt, wenn man die Nordumfliegung (DES 5) zugrunde legt. Das Gebiet, welches durch die dicke violette Kurve begrenzt wird, entspricht der Nachtschutzzone unter Zugrundelegung der Geradeausstarts (s. Abb.1) auch in der Nacht (DES 3). Deutlich ist in Abb.4 zu erkennen, dass die Zunge der Nachschutzzone in Bahnrichtung kleiner wird, wenn man nachts die Nordumfliegung durchführt, sich dagegen sich eine Zunge um die Flugroute der Nordumfliegung (rot eingezeichnet) ausbildet. Bedingt durch die Siedlungsstruktur werden weniger Menschen durch die Nordumfliegung unzumutbar belastet.

Fluglärm BBI / BER - Tagschutzgebiete und Nachtschutzgebiete

Da die Grenzwerte für die Tagesschutzzonen und die Nachtschutzzone unterschiedlich sind, führt – bedingt durch die Siedlungsstruktur – die Nordumfliegung nachts, aber nicht tags zu einer Abnahme unzumutbar betroffener Personen. Die Route der Nordumfliegung führt zunächst ca. 900 m geradeaus, danach erfolgt eine Rechtskurve, es werden Gemeindeteile von Mahlow (Roter Dudel und Waldblick) überflogen, ebenso die Gemeinde Birkholz. Die Route macht eine Linkskurve nach Süden an der Kreuzung der Bundesstraße B101 mit der Landstraße L76, die von Teltow nach Schönefeld führt. Die Route führt danach zwischen Teltow und Großbeeren nach Süden und trifft die derzeit festgelegte Rote (Tagroute) an dem Punkt, an dem die sog. Wannseeroute nach Norden abbiegt.

Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat inzwischen gegen das Urteil des OVG vom 19.09.2013 Revision beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingelegt. Die Gemeinde will erreichen, dass die Nordumfliegung immer und nicht nur nachts geflogen wird, um eine Doppelbelastung durch Starts bei Westwind und Landungen bei Ostwind zu vermeiden.

Nordumfliegung von Blankenfelde-Mahlow nach Weststarts von der Nordbahn des BER führt zu erhöhter Fluglärm-Belastung im Südwesten von Berlin und dem angrenzenden Umland

An der Kreuzung der B101 und der L76 haben die Flugzeuge im Allgemeinen bereits die Freigabehöhe von 1.524 m erreicht. Flugzeuge, die ein Ziel im Nordwesten, Norden, Nordosten oder Osten ansteuern, werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nach Süden abbiegen, sondern nach Erhalt der Einzelfreigabe dort die Route verlassen, um ihr Ziel direkt anzusteuern.

Gegenüber der derzeitigen Regelung (s. Abb.1) sind die Flugzeuge damit deutlich niedriger, wenn sie die Brandenburger Gemeinden Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf und die Berliner Stadtteile Lichterfelde Lankwitz, Zehlendorf überfliegen.

Sollte sich Blankenfelde-Mahlow mit seiner Forderung beim BVerwG durchsetzen, würden für nördliche Destinationen effektiv die Flugrouten vom 6. September 2010 zum Tragen kommen. Dies hätte eine erhöhte Fluglärm-Belastung in Lichterfelde, Lankwitz und Zehlendorf sowie in den Brandenburger Gemeinden Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf zur Folge.